So
05
Feb
2012
Troika-Pläne für Griechenland: Mindestlohn auf zwei Euro pro Stunde runter, Arbeitszeit auf 12 Stunden hoch
Wir äußern den Verdacht nicht zum ersten Mal: Griechenland ist derzeit das Versuchslabor für ganz Europa, man versucht rauszukitzeln, was man mit den Bürgern alles noch machen kann. Neueste Idee der Troika, die sie in die aktuellen Verhandlungen eingebracht hat: Absenkung der Mindestlöhne auf 450 Euro pro Monat, macht etwas über zwei Euro Stundenlohn - denn gleichzeitig soll die Arbeitszeit auf 12 Stunden erhöht werden. Täglich, versteht sich.
Dass Weihnachts- und Urlaubsgeld dabei abgeschafft werden (die in Griechenland historisch aus Drachmezeiten stammen und als Ausgleich für die stets gallopierende Inflation dienten) versteht sich
von selbst. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sind sich, selten genug, einig: Beide wollen das nicht, genauso wenig wie die von der Troika verlangte Kürzung der Gehälter im privaten Sektor
um 25 Prozent.
Die Troika schert das genauso wenig wie die Tatsache, dass beispielsweise Lebensmittel in Griechenland deutlich teurer sind als in Deutschland. Nur ein Beispiel von vielen: Ein Fläßchen Süßstoff
kostet bei lebensmittel.de rund 1,10 €, in einem griechischen Supermarkt hier um die Ecke über vier Euro - für ein Fläßchen, das halb so groß ist wie in Deutschland, also bezogen auf die Menge
sogar bei rund acht Euro liegt. Und nein: Dies gilt für alle Lebensmittel, diese sind im Schnitt ein Drittel teurer als in Deutschland.
Zum Glück hat die Troika ihr soziales Herz nicht ganz vergessen: Die oben genannten Löhne und Arbeitszeiten gelten für Menschen unter 30 Jahren. Darüber will man als Mindestlohn 561 Euro
zugestehen. Wahrscheinlich kann man damit dann ab 30 ganze Familien ernähren. Erinnert ein wenig an Marie Antoinette: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen.“
Hoffen wir, dass es ein zivileres Ende gibt als für die Königin von Frankreich und Navarra während der französischen Revolution.
Mehr dazu hier.
Simablog.eu
Kommentar schreiben
Kommentare: 7
Heini1946 (Montag, 06 Februar 2012 11:12)
Irgendwie kapiert man sollte preislichen Unterschiede nicht.
Eine echte Aufgabe der EU diese Ungleichgewichte zu untersuchen. Jedenfalls besser als hirnverbrannte Vorschriften für Tagesmütter zu formulieren.
Ich frage mich, warum kauft der Grieche nicht, in Kenntnis seiner Preislandschaft hierzulande, ein und vertickt die Sachen noch mit sattem Gewinn in seiner Heimat. Das mußte
mit einem Internetshop doch funzen. Alles unverderbliche
was eben dieses Preisgefälle hat.
Wer soll das alles noch kapieren ?
hb63 (Montag, 06 Februar 2012 12:21)
Au ja, 450 Euro Stundenlohn hätte ich auch gern!
Damokles (Montag, 06 Februar 2012 12:32)
Wenn Ihnen der Artzt,mit einem Hämmerchen, auf eine spezielle Stelle am Knie klopft ,können sie auch hoffen ,dass das Bein sich nicht bewegt....
Dieser Reflex ist unvermeidlich ,es sei denn sie sind querschnittsgelähmt...
Admin (Montag, 06 Februar 2012 13:20)
Danke für den Hinweis, war natürlich pro Monat und nicht pro Stunde
Heini1946 (Montag, 06 Februar 2012 19:41)
Es kann natürlich Erklärungen vielfältigster Art geben.
Wie wäre es damit: Die Schutzgelder sind so hoch...
Melkon (Dienstag, 14 Februar 2012 00:27)
Das klingt ja alles schoen schrecklich und ist es auch... aber was aendert sich? Ich lebe auf Kreta und kenne hier genug Leute, die schon lange fuer diesen Stundenlohn arbeiten - allerdings schwarz und somit ohne jegliche soziale Absicherung und ohne dass der Arbeitgeber auch nur einen Cent zum Sozialsystem beitraegt. Das soll besser sein?
Adept (Donnerstag, 01 März 2012 21:51)
Warum ist eine Mehrheit der Griechen noch bereit, Staatsbedienstete zu alementieren ?
Weil der staatliche Fernseh- und Rundfunk sie fernsteuert.
Die Ausbeuter der internationalen Großbanken haben die Bürokratie Griechenlands fest im Griff.
Diese Beamtenhierarchie schlachtet das eigene Volk gnadenlos aus.