Sa

17

Sep

2011

Griechenland: Startschuss für Öl- und Gasförderung

Das griechische Umwelt- und Energieministerium hat diese Woche den Startschuss für die Förderung von Öl und Gas vor der griechischen Küste gegeben. Es lud alle potenziellen Interessenten ein, sich zunächst um die Rechte zu Probebohrungen und geologischen Untersuchungen zu bewerben. Dies soll im Ionischen Meer (also an der Westküste Griechenlands) und vor der Küste Kretas geschehen.

Es liegen allerdings umfangreiche geologische Gutachten unter anderem der Universität Kreta vor, die belegen, dass es Öl und Gasvorkommen gibt und wo diese liegen. So erwartet das Ministerium, dass die Probebohrungsphase auch nur drei Monate dauern wird - dann werden die endgültigen Lizenzen vergeben. Das Ministerium rechnet damit, binnen 15 bis 20 Jahren Öl im Wert von rund 40 Milliarden Euro fördern zu können, meldet die Zeitung Kathimerini. Davon wird Athen Lizenzen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro erhalten.

 

Als Interessenten für die Probebohrungen haben sich bislang informell der Norwegische Staatskonzern Statoil und der US-Konzern Noble Energy (die gerade vor und für Zypern/Israel mit der Gasförderung begonnen haben) gemeldet. Inoffiziell haben Interesse an der spätere Förderung Noble, Statoil Shell, die zypriotische Energean Oil und der griechische Staatskonzern Hellenic Petroleum angemeldet. 2012 soll die Förderung bereits beginnen.

Die nun ausgewählten Gebiete im Ionischen Meer und vor Kreta sind geopolitisch unumstritten - anders als die Gebiete um die Inseln in der Ägäis, unter denen ebenfalls große Öl- und Gasvorkommen liegen. Allein deshalb erhebt die Türkei immer wieder Anspruch auf einige der Inseln. Es geht dabei nicht um die paar kahlen Felsen, sondern um die Rohstoffe darunter. So hat die Türkei gerade vor ein paar Tagen ein norwegisches Forschungsschiff gechartert und dies in die Gewässer vor der kleinen Insel Kastelorizo entstandt.

 

Kastelorizo gehört zu einer Inselgruppe östlich von Rhodos, nur drei Kilometer vor der türkischen Küste. Ausgerechnet hier hatte der griechische Staatschef Giorgos Papandreou 2010 vor malerischer Kulisse die massiven Schwierigkeiten Griechenlands bekanntgegeben: 

Zufall oder politisches Signal an die Türkei und an Eingeweihte? Griechenland hat bereits gegen die türkischen Forschungen offiziell protestiert, wird in Ankara aber wohl auf taube Ohren stoßen.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit bleiben derzeit auch die Spannungen um die Probebohrungen zur Gasförderung vor Zypern, gegen die die Türkei heftig interveniert, die aber bereits begonnen haben. Ankara begründet den Protest offiziell damit, dass damit Nordzypern und die dortige türkische Bevölkerung ja von den Förderungen nicht profitieren würde. Ankara droht sehr klar und direkt mit einer Militärinvervention, sollten die Probebohrungen beginnen. Die zypriotische Aussenministerin ließ gestern wissen, dass Zypern schon mal sicherheitshalber den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Lage informiert hat und sich "der Rückendeckung der internationalen Gemeinschaft versichert habe", was immer das bedeutet.

So weit zur Faktenlage. Nun lassen sich trefflich einige Fragen stellen:

 

• Warum beginnt Griechenland erst jetzt mit den Öl- und Gasförderungsaktivitäten, wenn doch bereits schon seit 15 Jahren bekannt ist, dass es diese Vorkommen gibt?

 

• Warum sagte gerade vor ein paar Monaten Premier Papandreou noch auf einer Pressekonferenz "wir haben kein Öl", als er explizit danach gefragt wurde?

 

• Warum ist schon jetzt die Rede davon, dass Hellas dann wohl "nur" ein Drittel der Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung bekommen wird - wenn doch mit Hellenic Petroleum ein staatliches Unternehmen existiert, dass sich mit der Förderung von Öl auskennt (da es - bescheidene - Mengen bereits in der Region um Kavala fördert)?

 

• Warum kommen diese Aktivitäten jetzt - parallel mit der nunmehr auf offiziell vorbereiteten Staatspleite von Griechenland?

 

• Warum haben die Bilderberger zusammen mit den Ölfirmen vor Ausbruch der Krise ausgerechnet in Griechenland getagt?

Welchen Grund es auch immer geben wird. Es zeigt sich, wie gefährlich es war und ist, damit zu warten, bis Griechenland schwach und die westliche internationale Gemeinschaft durch die Wirtschaftskrise geschwächt und zerstritten ist. Denn jetzt wittert die Türkei ihre Chance.

Hoffentlich findet der nächste Ölkrieg nicht direkt in Europa statt.

 

Ach, weil's so anschaulich ist, hier noch einmal Papandreous Statement, dass Griechenland angeblich kein Öl hat: "Πετρέλεο δεν έχουθμε - wir haben kein Öl"- Eine  Analyse, was uns seine Körpersprache damals schon verraten hat, gibt es hier:

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4

  • #1

    Tommy Rasmussen (Sonntag, 18 September 2011 14:16)

    11.06.2011 - Griechisches Gas – Hochverrat! Die Energieorganisation Scandec Org bestehend aus sieben skandinavischen Ländern (Schweden, Norwegen, Dänemark, Finland, Estland, Lettland und Litauen) bot GR einen Kredit mit einer Laufzeit von fünf Jahren über 250 Milliarden an. Das geschah zu Beginn der Wirtschaftskrise in Hellas, bevor also die Troika (EU, IWF und europäischer Währungsfond) mit der entgültigen Zerstörung Griechenlands begonnen hat. Als Gegenleistung forderte Scandec Org für fünf Jahre Exklusivrecchte für das Gas- und Ölvorkommen auf griechischem Boden.
    Der Deal sah vor, das der Gewinn 80 zu 20 ( für GR ) geteilt würde. Außerdem würden 90% der Arbeiter auf diesen Bohrtümen Griechen sein und auch der Transport des Gewinns ausschließlich griechische Schiffe übernehmen. Das Angebot dieser Organisation hat die GR Regierung nie beantwortet, statt dessen kam einige Zeit später eine Antwort aus der USA und Israel das man sich dem Thema schon angenommen hätte und jeder weiterer Versuch griechisches Gas zu bekommen nutzlos sei.
    http://griechischerwein.wordpress.com/2011/06/08/griechisches-gas-hochverrat/
    http://lupocattivoblog.wordpress.com/2011/06/08/griechisches-gas-%E2%80%93-hochverrat/
    http://wp.me/pP16Y-6rO

  • JimdoPro
    #2

    docvip (Sonntag, 18 September 2011 14:20)

    Stand auch im Simablog:
    http://www.simablog.eu/2011/06/18/erd%C3%B6l-und-erdgas-geht-s-ins-griechenland-um-etwas-ganz-anderes/

    und auch das ist interessant ...
    http://www.simablog.eu/2011/06/23/%C3%B6l-haben-wir-nicht-was-sagt-die-analyse-der-k%C3%B6rpersprache-von-papandreou/

  • #3

    Heinz Hoss (Mittwoch, 02 November 2011 13:24)

    Hallo Herr Rasmussen!
    Ihr offensichtlich fundiertes Wissen sollte der breiten Öffentlichkeit in Europa zur Kenntis gebracht werden!
    Wann erfahren die Bürger eigentlich endlich, dass es auch hier um nichts anderes als um Öl geht. Das alles ist ein inszeniertes Schmierentheater!
    Heinz Hoss

  • #4

    Harry Gambler (Montag, 28 Mai 2012 02:21)

    Die Frage des Öl`s in der Ägäis dürfte heute wichtiger denn je sein.
    Harry Gambler

  • loading