Fr
15
Jul
2011
Schäuble: "Wenn der Himmel einstürzt sind alle Katzen tot" - und wie wird man unfähige Politiker los?
Die Griechen sind mal wieder die Alleinschuldigen. Nicht die europäischen Politiker mit ihren offenbar nicht tragfähigen Konstruktionen haben das Misstrauen der europäischen Bürger geweckt. Nein, die Griechen waren es: "Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes", barmt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
"Die Ratingagentur Moody´s hat portugiesische Staatsanleihen in der vergangenen Woche herabgestuft. Und dass, obwohl Portugal jetzt eine frisch gewählte Regierung mit einer soliden Mehrheit
für die nächsten vier Jahre hat (...) Lauter Verbesserungen. Daher ist die Herabstufung unverständlich. Wir müssen überlegen, ob die Regeln, die wir haben, ausreichen", kündigt er im
lesenswerten Interview mit der WAZ-Gruppe Eingriffe in
die Souveränität der Ratingagenturen an, um die nach seiner Einschätzungen "teilweisen irrationalen Märkte" zu beruhigen.
Nun gut, über die amerikanischen Ratingagenturen wurde ganz sicher auch Politik gemacht in den letzte Monaten, ohne Frage. Aber eine wichtige Funktion haben sie trotzdem, und die angeblich ach so
"irrationalen Märkte" bringen vor allem ihr Geld in Sicherheit, wenn es irgendwo brennt. Das ist definitiv ein viel rationaleres Verhalten als es viele Politiker zeigen.
Aber "wir haben die Lage im Griff", sagt Schäuble. Blöd nur, dass der Journalist von der WAZ hartnäckig nachfragt und wissen will, ob die Eurozone ein Rettungspaket von fast zwei
Billionen für Italien stemmen könnte. "Wenn der Himmel einstürzt, sind alle Katzen tot", bescheidet Schäuble den lästigen Frager, Italien stehe auf festem Boden.
Unangenehm nur, dass der Journalist ganz untypisch für deutsche Medien noch einmal nachfragt - und dann die Schuld übertragen bekommt, falls Italien crasht: "Schauen Sie, diese Art von Fragen
führt zu Spekulationen, die eigentlich nur zerstörerische Wirkungen haben können. Ich sage Ihnen: Dafür gibt es nicht den geringsten Anlass", entgegnet Schäuble genervt.
Ja, ihr Journalisten, ja ihr Griechen, ja ihr Euro-Kritiker: Wenn der Himmel einstürzt, seid ihr schuld. Nicht nur am Tod der Katzen.
Nicht aber die Politiker sind schuld. Die Experten, die zuerst die von vornherein wackelige Konstruktion Euro als das non-Plus-Ultra verkaufen, diese dann immer weiter durch halsbrecherische
Bilanzierungstricks zunehmend schwächen, um sowohl die Maastricht-Kriterien weiter zu erfüllen und auch die nächste Wahl zu Hause zu gewinnen - und schließlich, als die von Kritikern
vorhergesagte Krise eintritt, nicht in der Lage sind, ein professionelles Krisenmanagement hinzulegen, sondern in eine europaweite Kakaphonie der Partialinteressen verfallen.
Die haben damit nichts zu tun, gell.
Oder sie sehen Dinge, die andere nicht sehen. Hellmuth Schmidt sagte einmal: "Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen". Ob er Schäubles Reaktion auf diese Frage vorhergesehen hat?
"Viele Bürger fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen. Sie haben das Gefühl, man lasse sie im Unklaren über die Kosten der gegenwärtigen Krise. Warum erklären Sie nicht offen: Ja,
Europa wird künftig teurer als bisher", fragt die WAZ weiter. Klare Antwort: "Weil ich es anders einschätze".
Na gut, beim Schätzen kann man daneben liegen, das zeigt sich schon daran, dass die Belastung Deutschlands durch Bürgschaften für den Rettungsschirm irgendwo zwischen 400 und 700 Milliarden
liegen. Das zahlen sicher Extraterristrische und nicht der Steuerzahler. Außerdem: Wer will bei hehren Zielen auch kleinlich wie ein Krämer rechnen. Denn "wir zahlen nicht für andere, sondern
wir investieren in unsere eigene Zukunft", erklärt Schäuble.
"Wir müssen sicherstellen, dass Griechenland seine Schulden tragen und finanzieren kann. Daran, dass das möglich ist, hegen die Märkte zur Zeit Zweifel", sagt Schäuble immerhin - wie er
das ohne Kosten hinbekommen will, erklärt er nicht. Vielleicht ist er ja der Konkurrent für Obama auf den
Wirtschaftsnobelpreis?
Was dann kommt lässt aber fürchten, dass nichts kommt: "Wir haben in der Eurogruppe vereinbart, dass wir zügig Lösungen erörtern werden, die jetzt die Euroarbeitsgruppe erarbeiten soll. Und
dann sehen wir, welche Optionen sich anbieten", heißt es im schönsten Politiker-Neusprech weiter.
Die angeblich so irrationalen Märkte werden die Lösung präsentieren. Zwar konnten die Italiener gestern fast alle Staatsanleihen verkaufen - aber bei Zinsen um rund fünf Prozent bewegen sie sich
bereits in der wirtschaftlichen Todeszone.
Simablog.eu
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Kommentare: 4
Heini1946 (Freitag, 15 Juli 2011 11:04)
Wenn der Himmel runterfällt, sind alle S P A T Z E N
tot. Sogar der Michael Glos hat das richtig zitiert.
Ist auch egal. Die Sache ist sowieso unrettbar verloren.
schmittschmitt (Freitag, 15 Juli 2011 11:54)
Schäuble O-Ton: "Italien ischt auf einem guten Weg".
Toll lieber Schäuble, das hatten wir ja noch gar nicht
gewußt, die ganze Aufregung war doch wohl bloß blanke
Panikmache, Herr Berlusconi ist doch der Führer, der
sich rührend um die Wirtschaft und die Finanzen kümmert,
der Weg ist je schon das Ziel!
Andre (Freitag, 15 Juli 2011 12:21)
Guter Beitrag - so erhalten wir Hintergrundinformationen, welche einige Mainstrammedien unterschlagen. Weiter so!
Alfons Huber (Freitag, 15 Juli 2011 13:24)
Das muß getwittert werden: Wenn der Himmel runterfällt, sind alle Spatzen tot.